Carsten Jancker im Interview mit Dirk Franke

Foto wurde von Steindy erstellt
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Dirk Franke im Interview mit dem U-15 Trainer des SK Rapid Wien, Carsten Jancker. Herr Jancker hat seine aktive Profilaufbahn beendet und trainiert seit Anfang dieser Saison den Nachwuchs vom SK Rapid Wien. Hier ein paar Fragen, die ich am Freitag Carsten Jancker stellte.

 

Dirk Franke: Wenn sie an ihre Profikarriere zurückdenken: Wo hatten sie Ihre beste Zeit?

 

Carsten Jancker: Das ist keine Frage, meine schönste und beste Zeit hatte ich sechs Jahre beim FC Bayern München.

 

Dirk Franke: Der schönste und der schrecklichste Moment in Ihrer Karriere waren....?

 

Carsten Jancker: Der schrecklichste Moment meiner Karriere war 1999. Die Meisterschaft war bereits gesichert, am 26. Mai 1999 standen wir der Mannschaft von Manchester United im Champions-League-Finale in Barcelona gegenüber, gegen die wir in der Gruppenphase bereits zweimal Unentschieden gespielt hatten. Im Finale haben wir in der Nachspielzeit durch zwei späte Gegentore mit 2:1 verloren.

Der schönste Moment war zwei Jahre später im Finale der Champions League, das wir im Mailänder San Siro mit 5:4 im Elfmeterschießen gegen den FC Valencia gewannen. Der Held der Partie war wieder einmal Torhüter Oliver Kahn, der drei Elfmeter parierte. Natürlich war auch der 27. November 2001 ein schöner Tag: hier wurden wir in Tokio mit einem 1:0 nach Verlängerung gegen die Boca Juniors zum zweiten Mal nach 1976 Weltpokalsieger.

 

Dirk Franke: Haben sie noch Kontakt zu den Bayern-Stars, etwa zu Olli Kahn, Lothar Matthäus oder Ulli Hoeneß?

 

Carsten Jancker: Ich habe so keinen Kontakt mehr zu den damaligen Spielern. Man trifft und grüßt sich beim Fußball in München und das war es auch schon. Wir hatten schon eine geile Zeit, aber bedingt dadurch, dass ich in Wien lebe, sind keine regelmäßigen Kontakte mehr da.

 

Dirk Franke: Haben Sie echte Freunde im Profifußball gefunden?

 

Carsten Jancker: Ich habe viele Leute kennen und schätzen gelernt, doch richtige Freundschaften sind nicht geblieben. Das hängt mit den Vereinswechseln zusammen, denn nach einem Wechsel kommt man automatisch in einen neuen Freundeskreis. Klar gab es Spieler, mit denen ich mich besser verstand und mit denen auch etwas unternommen wurde. Von 1999 bis 2001 waren wir ein eingeschworener Haufen, wir hatten viel Spaß, aber auch Erfolg und durch den Zusammenhalt haben wir auch die Champions League nach München geholt.

 

Dirk Franke: Gibt es etwas, was Sie im Nachhinein in Ihrer Karriere besser anders gemacht hätten?

 

Carsten Jancker: Ich kann nichts mehr anders machen, da ich die Zeit nicht zurückdrehen kann. Könnte ich es ändern: Ich würde nicht noch einmal nach Italien gehen. Mit meiner Spielweise würde ich in Deutschland bleiben oder auch nach England gehen.

 

Dirk Franke: Als Ostdeutscher sind Sie in Österreich sesshaft geworden. Welche Vorteile hat die Alpenrepublik?

 

Carsten Jancker: Als ich vor 15 Jahren zu Rapid Wien wechselte, habe ich meine heutige Frau Natascha kennen gelernt. Sie begleitete mich während meiner Profikarriere und wollte zu Ihren Wurzeln zurück. So bin ich mit Ihr in Wien, ihrer Heimat sesshaft geworden und fühle mich sehr wohl.

 

Dirk Franke: Welchem Verein in Deutschland gehören Ihre Sympathien?

 

Carsten Jancker: Das ist keine Frage: Natürlich dem FC Bayern, denn mit den Münchenern habe ich auch meine größten Erfolge gefeiert und wurde zum Nationalspieler.

 

Dirk Franke: Wie sind Sie zu ihrer Tätigkeit als Rapid-Jugendtrainer gekommen?

 

Carsten Jancker: Ich habe bei Rapid Wien gespielt und wusste auch, dass irgendwann die Karriere zu Ende geht. So habe ich mich mit dem Sportleiter von Rapid zusammen gesetzt. Es bot sich die Möglichkeit, in die Jugendarbeit einzusteigen. Ich muss sagen,  dass ich viel Spaß dabei habe.

 

Dirk Franke -  Streben Sie eine Karriere als Trainer im Herren(Profi-)Bereich an?

 

Carsten Jancker: Mein Ziel ist es, irgendwann in absehbarer Zeit (4-5 Jahre) eine Kampfmannschaft (Profimannschaft) zu trainieren und zu betreuen, aber ich möchte im Jugendbereich anfangen und mich nach oben arbeiten. Hier bei der U15 werden die zukünftigen Bundesliga-Profis geschult und betreut.

 

Dirk Franke: Welche Bedeutung hat für Sie ein hochklassig besetztes Turnier wie der Weihnachtscup?

 

Carsten Jancker: Deutschland hat nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert, was die Jugendausbildung im Fußball anbelangt. Wir als Rapidler möchten uns natürlich mit dem Bundesliga-Nachwuchs messen. Ob in der Halle oder auch auf dem Großfeld. Die Halle bietet viele Möglichkeiten für die Technik, aber auch das 1:1.

 

Dirk Franke: Wie stark ist der Jahrgang, mit dem Sie antreten. Haben Sie Siegchancen?

 

Carsten Jancker: Wir haben einen starken Jahrgang und wollen uns auf dem Turnier auch zeigen. Natürlich sollen die Jungs auch Spaß haben. Klar, wir fahren zu jedem Turnier, um zu gewinnen und nicht, um uns eine Klatsche abzuholen, aber das ist doch selbstverständlich.

 

Dirk Franke: Sie treffen Juri Schlünz wieder, welche Erinnerungen verbinden Sie mit ihm?

 

Carsten Jancker: Ich war in meiner Jugend Balljunge, das heißt, ich habe damals für die erste Mannschaft die Bälle am Spielfeldrand den Spielern zugeworfen. Juri ist 13 Jahre älter als ich und er spielte schon in der ersten Mannschaft. Trotzdem freue ich mich, ihn nach so vielen Jahren wieder zu sehen.

 

Dirk Franke: Herr Jancker, ich bedanke mich herzlich bei Ihnen für die Zeit, die Sie sich genommen haben, um meinen Fragen Rede und Antwort zu stehen. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Mannschaft eine gute Anreise und viel Erfolg in Georgsmarienhütte.

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